Reisepreisminderung nach Frankfurter Tabelle

Die Urlaubszeit ist wohl die schönste Zeit des Jahres. Viele Reisende entscheiden sich für eine Pauschalreise. Die Versprechungen im Reisebüro sind großartig. Auch die Beschreibung im Reisekatalog klingt vielversprechend. Endlich am Urlaubsort angekommen, sieht das Hotel anders aus als auf den Bildern. Der Strand ist nicht vor der Tür und das Hotelzimmer entspricht auch nicht den Vorstellungen. Als Reisender haben Sie eine Vielzahl von Rechten bis hin zur Minderung des vereinbarten Reisepreises.

Die nachfolgend dargestellte sogenannte Frankfurter Tabelle wird vom Frankfurter Landgericht zur Berechnung von Reisepreisminderungen angewandt. Diese Tabelle ist für die Gerichte nicht verbindlich. Sie wird auch nicht von allen Gerichten verwendet. Kann jedoch einen Anhaltspunkt darstellen und zur Orientierung herangezogen werden.

 

Frankfurter Tabelle (Auszug)
LeistungMängel%Bemerkung
I. Unterkunft1. Abweichung vom gebuchten Objekt0-25je nach Entfernung
2. Abweichende örtliche Lage (Strandentfernung)5-15
3. Abweichende Art der Unterbringung im gebuchten Hotel (Hotel statt Bungalow, abweichendes Stockwerk)5-10
Abweichende Art der Zimmer
a) DZ statt EZ20Entscheidend, ob
b) Dreibettzimmer statt EZ25Personen der gleichen
c) Dreibettzimmer statt DZ20-25Buchung oder Unbekannte
d) Vierbettzimmer statt DZ20-30zusammengelegt werden
5. Mängel in der Ausstattung des Zimmers
a) zu kleine Fläche5-10
b) fehlender Balkon5-10bei Zusage / je nach Jahreszeit
c) fehlender Meerblick5-10bei Zusage
d) fehlendes (eigenes) Bad/WC15-25bei Buchung
e) fehlendes (eigenes) WC15
f) fehlende (eigene) Dusche10bei Buchung
g) fehlende Klimaanlage10-20bei Zusage / je nach Jahreszeit
h) fehlendes Radio/TV5bei Zusage
i) zu geringes Mobiliar5-15
k) Schäden (Risse, Feuchtigkeit etc.)10-50
l) Ungeziefer10-50
6. Ausfall von Versorgungseinrichtungen
a) Toilette15
b) Bad/Warmwasserboiler15
c) Stromausfall/Gasausfall10-20
d) Wasser10
e) Klimaanlage10-20je nach Jahreszeit
f) Fahrstuhl5-10je nach Stockwerk
7. Service
a) vollkommener Ausfall25
b) schlechte Reinigung10-20
c) ungenügender Wäschewechsel (Bettwäsche, Handtücher)5-10
8. Beeinträchtigungen
a) Lärm am Tage5-25
b) Lärm in der Nacht10-40
c) Gerüche5-15
9. Fehlen der (zugesagten) Kureinrichtungen (Thermalbad, Massagen)20-40je nach Art der Projektzusage (z.B. “Kururlaub”)
II. Verpflegung1. Vollkommener Ausfall50
2. Inhaltliche Mängel
a) eintöniger Speisenzettel5
b) nicht genügend warme Speisen10
c) verdorbene (ungenießbare) Speisen20-30
3. Service
a) Selbstbedien. (statt Kellner)10-15
b) lange Wartezeiten5-10
c) Essen in Schichten10
d) verschmutzte Tische5-10
e) verschmutztes Geschirr, Besteck10-15
4. Fehlende Klimaanlage im Speisesaal5-10bei Zusage
III. Sonstiges1. Fehlender oder verschmutzter Swimmingpool10-20bei Zusage
2. Fehlendes Hallenbadbei Zusage
a) bei vorhandenem Swimmingpool10
b) bei nicht vorhandenem Swimmingpool20
3. Fehlende Sauna5bei Zusage
4. Fehlender Tennisplatz5-10bei Zusage
5. Fehlendes Mini-Golf3-5bei Zusage
6. Fehlende Segel-, Surf-, Tauchschule5-10bei Zusage
7. Fehlende Möglichk. zum Reiten5-10bei Zusage
8. Fehlende Kinderbetreuung5-10bei Zusage
9. Unmöglichkeit des Badens im Meer10-20je nach Prospekt-beschreibung und zumutbarer Ausweichmöglichkeit
10. Verschmutzter Strand10-20
11. Fehlende Strandliegen, Sonnenschirme5-10bei Zusage
12. Fehlende Snack- oder Strandbar0-5je nach Ersatzmöglichkeit
13. Fehlender FKK-Strand10-20bei Zusage
14. Fehlendes Restaurant oder Supermarktbei Zusage / je nach Ausweichmöglichkeit
a) bei Hotelverpflegung0-5
b) bei Selbstverpflegung10-20
15. Fehlende Vergnügungseinrichtungen (Disco, Nightclub, Kino, Animateure)5-15bei Zusage
16. Fehlende Boutique oder Ladenstraße0-5je nach Ausweichmöglichkeit
17. Ausfall von Landausflügen bei Kreuzfahrten20-30des anteiligen Reisepreises je Tag des Landausflugs
18. Fehlende Reiseleistung
a) bloße Organisation0-5
b) bei Besichtigungsreisen 10-20
c) bei Studienreisen mit wissenschaftlicher Führung20-30bei Zusage
19. Zeitverlust durch notwendigen Umzuganteiliger Reisepreis für
a) im gleichen Hotel1/2 Tag
b) in anderes Hotel1 Tag
IV. Transport1. Zeitlich verschobener Abflug über vier Stunden hinaus5des anteiligen Reisepreises für einen Tag für jede weitere Stunde
2. Ausstattungsmängel
a) niedrigere Klasse10-15
b) erhebliche Abweichung vom normalen Standard5-10
3. Service
a) Verpflegung5
b) Fehlen der in der Flugklasse üblichen Unterhaltung (Radio, Film, etc.)5
4. Auswechslung des Transportmittelsder auf die Transportverzögerung entfallende anteilige Reisepreis
5. Fehlender Transfer vom Flugplatz (Bahnhof) zum HotelKosten des Ersatztransportmittels
Anmerkungen zur Benutzung dieser Tabelle:

1. Geringfügige Beeinträchtigungen bleiben außer Betracht.

2. Die Höhe des Prozentsatzes richtet sich bei Rahmensätzen nach der Intensität der Beeinträchtigung. Diese ist in der Regel unabhängig von den Eigenschaften des einzelnen Reisenden (Alter, Geschlecht, besondere Empfindlichkeit). Ausnahmen hiervon:

a) Bei besonderen Eigenschaften oder Gebrechen eines Reisenden, die dem Reiseveranstalter bei der Buchung bekannt waren, kann bei besonders erheblicher Beeinträchtigung der einzelne Tabellensatz und der Höchstprozentsatz um 50 % erhöht werden.

b) Bei Mängeln der Gruppe III unterbleibt eine Minderung, wenn eine Beeinträchtigung für den Reisenden offenkundig oder nachweislich nicht gegeben war.

3. Der Prozentsatz wird grundsätzlich vom Gesamtreisepreis (also einschließlich Transportkosten) erhoben. Dabei werden die vom Reisenden gezahlten Beiträge für Versicherungen und Zuschläge für erhöhten Flugkomfort abgezogen. Aber Vorsicht: Nach der (überwiegenden) Rechtsprechung gilt dies nicht, wenn Flug und Unterkunft von zwei verschiedenen Reiseveranstaltern stammen!

a) Soweit Beeinträchtigungen während der Reisedauer nur zeitweise auftreten, wird für die Minderung der auf die entsprechende Zeit umgelegte Gesamtreisepreis zugrunde gelegt. Gleiches gilt, wenn die Gewährleistung des Reiseveranstalters wegen schuldhaft unterlassener Anzeige des Mangels (§ 651d Absatz 2 BGB) oder wegen Nichtannahme eines zumutbaren Ersatzangebotes entfällt.

b) In Ausnahmefällen (kleinere Mängel bis höchstens 10 %) kann der Prozentsatz dem anteiligen Aufenthaltspreis entnommen werden, wenn durch die Mängel der Gesamtzuschnitt der Reise nicht wesentlich verändert worden ist.

c) Bei zusammengesetzten Reisen (z. B. Rundreise mit anschließendem Hotelaufenthalt) ist die Minderung aus dem Gesamtreisepreis zu berechnen. Soweit einzelne Reiseteile betroffen sind, gilt das zu 3.a) Gesagte.

4. Bei Vorliegen mehrerer Mängelpositionen werden die Prozentsätze addiert.

a) Ist Gegenstand des Vertrages die Leistung von Unterkunft und Vollpension, so dürfen folgende Gesamtprozentsätze innerhalb einer Leistungsgruppe nicht überschritten werden:

Gruppe I (Unterkunft): 50 %
Gruppe II (Verpflegung): 50 %
Gruppe III (Transport): 30 %
Gruppe IV (Sonstiges): 20 %

b) Ist Gegenstand des Vertrages die Unterkunft und Halbpension, erhöhen sich die Sätze der Gruppe I um 25 % und vermindern sich die Sätze der Gruppe II um 25 %. Dabei dürfen folgende Gesamtprozentsätze innerhalb einer Leistungsgruppe nicht überschritten werden:

Gruppe I (Unterkunft): 62,5 %
Gruppe II (Verpflegung): 37,5 %
Gruppe III (Transport): 20 %
Gruppe IV (Sonstiges): 30 %

c) Ist Gegenstand des Vertrages die Unterkunft mit Frühstück, so erhöhen sich die Sätze der Gruppe I um 66,6 % und vermindern sich die Sätze der Gruppe II um 66,6 %. Dabei dürfen folgende Gesamtprozentsätze innerhalb einer Leistungsgruppe nicht überschritten werden:

Gruppe I (Unterkunft): 83,3 %
Gruppe II (Verpflegung): 16,7 %
Gruppe III (Transport): 20 %
Gruppe IV (Sonstiges): 30 %

d) Ist Gegenstand des Vertrages nur die Unterkunft so erhöhen sich die Sätze der Gruppe I um 100 %; im Einzelfall kann der Gesamtprozentsatz der Gruppe I bis 100 % gehen. Für die Gruppe III verbleibt es beim Gesamtprozentsatz von 20 %, für die Gruppe IV beim Gesamtprozentsatz von 30 %.

5. Ist die Reise in ihrer Gesamtheit durch Mängel einzelner Reiseleistungen oder durch Pflichtverletzungen des Reiseveranstalters schuldhaft erheblich beeinträchtigt worden, so können die Minderungssätze bis zum vollen Reisepreis steigen.

6. Sonstiges:

Eine Kündigung nach § 651e Absatz 1 BGB kommt nur in Betracht, wenn Mängel von mindestens 20 % vorliegen. Hierbei ist bei einer Kündigung nach Fristsetzung (§ 651e Absatz 2 S. 1 BGB) auf die nicht fristgerecht behobenen Mängel, bei einer sofortigen Kündigung (§ 651e Absatz 2 S. 2 BGB) auf die bei Abgabe der Kündigungserklärung vorliegenden Mängel abzustellen.

Schadensersatzanspruch nach § 651f Absatz 2 BGB in Form eines Ersatzurlaub kommt in der Regel nur in Betracht, wenn – nicht fristgerecht behobene – Mängel mit einem Gesamtgewicht von mindestens 50 % vorliegen.

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